Die deutschen und europäischen Automobilzulieferer stecken in ernsten Schwierigkeiten. Eine aktuelle Untersuchung von Deloitte zeichnet nun ein wirklich absolut besorgniserregendes Bild der Branche.
19 Prozent der kleinen und 12 Prozent der großen Zulieferer befinden sich in einer kritischen wirtschaftlichen Lage.
Ihre Gewinnmargen für Autoteile liegen unter fünf Prozent, während die Verschuldung das Dreifache des jährlichen Betriebsergebnisses erreicht.
Substanzverlust durch Krisenjahre
„Die Bilanzen der Zulieferer haben in den letzten Krisenjahren stark an Substanz verloren“, erklärt Daniel Montanus von Deloitte. Besonders mittelständische europäische Betriebe kämpfen mit niedrigen Gewinnen und hoher Verschuldung. Gleichzeitig stagnieren die Produktionsvolumen auf niedrigem Niveau, was die Situation zusätzlich verschärft.
Die Restrukturierung ist für viele Unternehmen komplex geworden. Sie müssen gleichzeitig an drei Fronten kämpfen: finanzielle Stabilisierung, operative Verbesserungen und strategische Neuausrichtung. Ohne diese kombinierten Maßnahmen steht der Fortbestand vieler Betriebe auf dem Spiel.
Kostensenkung als Daueraufgabe
„Kostensenkung ist kein einmaliges Projekt, sondern ein struktureller Imperativ“, betont Philipp Kinzler, ebenfalls Partner bei Deloitte. Bei stagnierenden Absatzzahlen und hohen Fixkosten müssen Zulieferer ihre Kostenstruktur grundlegend überarbeiten.
Effizienzprogramme, Portfolioanpassungen und eine strenge Priorisierung von Investitionen sind unerlässlich, um finanziellen Spielraum für die Transformation zu schaffen.
Die Risikoverteilung in der Branche ist ungleich. Besonders schwer haben es Hersteller von Rahmen, Sitzen, Verbrennungsmotoren und Kraftstoffsystemen. Diese Segmente wachsen seit 2023 nur noch um 0,2 Prozent jährlich.

Automobilzulieferer in der Krise – viele vor dem Aus
Gewinner und Verlierer der Transformation
Geringe Differenzierungsmöglichkeiten, Abhängigkeit von Rohstoffpreisen und massiver Preisdruck der Autohersteller drücken die Margen. Sitzhersteller erzielen nur 4,0 Prozent EBIT-Marge, Rahmenproduzenten 4,2 Prozent.
Anders sieht es bei Zulieferern für Fahrerassistenzsysteme und Sensoren aus. Sie erreichen Margen von 8,3 Prozent. Auch Hersteller von Hochvolt-Batterien, Brennstoffzellen und elektrischen Antrieben weisen niedrige Risikowerte auf.
Diese Bereiche profitieren von Wachstumspotenzial, regulatorischer Förderung und technologischen Innovationsmöglichkeiten.
Machtverlust europäischer Zulieferer
Die Elektromobilität verschiebt die Machtverhältnisse in der Branche. Autohersteller aus China und den USA übernehmen zunehmend selbst die Produktion kritischer Komponenten wie Batterien. Das setzt europäische Zulieferer unter Druck.
„Chinesische Hersteller drängen mit aggressiven Kostenstrukturen und eigener Batterieproduktion in die Märkte“, warnt Philipp Obenland von Deloitte.
Dazu kommen geopolitische Spannungen und die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen, die globale Lieferketten anfällig machen.
Datengrundlage
Der Deloitte Supplier Risk Monitor 2025/2026 analysiert 19 Komponenten-Cluster anhand von 25 Indikatoren in sechs Risikokategorien.
Die Bewertung umfasst Marktdruck, regulatorisches Umfeld, Zukunftsrelevanz, Cash-Generierung, Innovationskraft und Kreditwürdigkeit.
Grundlage bilden Finanzdaten von 776 globalen Tier-1-Lieferanten für die PKW-Produktion.
Sierks Media / © Fotos: Reza Asadi (1). I’m Zion (1), Unsplash



