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Lord Northcliffe – wie der Pressebaron damals Deutschland den Krieg erklärte

Lord Northcliffe

Alfred Harmsworth, besser bekannt als Lord Northcliffe, war einer der mächtigsten Zeitungsverleger seiner Zeit.

Als Gründer der „Daily Mail“ und späterer Besitzer von „The Times“ prägte er nicht nur die moderne Boulevardpresse, sondern nutzte seine Medienmacht im Ersten Weltkrieg auch für eine aggressive antideutsche Kampagne.


Eine neue Einordnung seiner Biografie zeigt: Northcliffe war kein Kriegsminister, aber ein Pressebaron, dessen Einfluss auf Politik und öffentliche Meinung enorm war.

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Erfinder der modernen Boulevardpresse

Alfred Charles William Harmsworth gründete die „Daily Mail“ im Jahr 1896 und revolutionierte damit den britischen Zeitungsmarkt.

Seine Blätter sprachen nicht nur die gebildete Oberschicht an, sondern erreichten mit kurzen Texten, Schlagzeilen, Bildern und unterhaltsamen Inhalten erstmals breite Massen. Später kontrollierte Northcliffe neben der „Daily Mail“ auch die traditionsreiche „Times“ sowie weitere einflussreiche Zeitungen.

Damit verfügte er über eine Medienreichweite, die ihm politischen Einfluss verschaffte, wie ihn zuvor kaum ein Verleger besessen hatte.

Antideutsche Kampagne vor 1914

Schon vor dem Ersten Weltkrieg warnte Northcliffe seit Jahren vor Deutschland als Bedrohung für Großbritannien. Seine Zeitungen forderten eine Eindämmung der deutschen Macht und trugen dazu bei, Misstrauen und Feindbilder gegenüber dem Deutschen Reich zu verstärken.

Zeitgenössische Kritiker machten ihm deshalb bereits vor 1914 schwere Vorwürfe. Die Zeitung „Daily Star“ schrieb, Northcliffe habe nach Kaiser Wilhelm II. mehr als jeder andere Lebende zur Entstehung des Krieges beigetragen.

Historiker bewerten diese Aussage heute als zugespitzt, sehen in seiner antideutschen Berichterstattung aber dennoch einen wichtigen Faktor der damaligen Kriegsstimmung.

Pressebaron gegen Premierminister Asquith

Im Ersten Weltkrieg wandte sich Northcliffe zunehmend gegen die britische Regierung unter Premierminister Herbert Asquith. Besonders die Munitionskrise von 1915 nutzte er, um die Kriegsführung der Regierung scharf anzugreifen und Mängel in der Rüstungsproduktion öffentlich anzuprangern.

Seine Zeitungen verstärkten den politischen Druck auf Asquith erheblich. Im Dezember 1916 musste der Premierminister schließlich zurücktreten.

David Lloyd George übernahm die Regierungsführung. Northcliffe war dabei nicht der alleinige Grund für den Machtwechsel, aber er war einer der wichtigsten publizistischen Gegenspieler Asquiths.

Lord Northcliffe

Lord Northcliffe

Deutschlands Hassfigur der britischen Propaganda

Northcliffes Einfluss endete nicht in Großbritannien. 1918 übernahm er offiziell die Leitung der britischen Propaganda in den feindlichen Ländern.

Seine Kampagnen richteten sich gezielt gegen das Deutsche Reich und sollten die Moral der Gegner schwächen sowie die öffentliche Meinung im Ausland beeinflussen. In Deutschland galt Lord Northcliffe deshalb als einer der zentralen britischen Propagandisten des Ersten Weltkriegs.

Seine aggressive Berichterstattung und seine Rolle in der Feindpropaganda machten ihn zu einer besonders verhassten Figur der deutschen Kriegsführung.

Der Niedergang eines Medienzaren

Nach Kriegsende blieb Northcliffe zunächst eine der einflussreichsten Persönlichkeiten des britischen Pressewesens. Doch ab 1921 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand dramatisch. Eine schwere Blutvergiftung führte zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung, die auch sein Verhalten stark veränderte.

Zeitgenossen beschrieben ihn in dieser Phase als unberechenbar und von Größenwahn geprägt. Berichte über Verfolgungsideen, darunter die Angst vor deutschen Spionen und Giftanschlägen, kursierten bereits zu seinen Lebzeiten.

Historisch eindeutig belegt ist jedoch vor allem, dass seine letzte Krankheit sein Urteilsvermögen und sein Auftreten schwer beeinträchtigte.

Lord Northcliffe starb 1922

Alfred Harmsworth, 1. Viscount Northcliffe, starb am 14. August 1922 im Alter von 57 Jahren in London. Sein Tod beendete die Ära eines Verlegers, der die moderne Massenpresse geformt und politische Entscheidungen in Großbritannien maßgeblich mitbeeinflusst hatte.

Bis heute gilt Northcliffe als Paradebeispiel dafür, wie Medienmacht die Politik, Kriegspropaganda und öffentliche Meinung verbinden kann.

Seine Geschichte zeigt zugleich die Grenzen solcher Macht: Er konnte Regierungen unter Druck setzen, aber nicht allein über Krieg und Frieden entscheiden…

Sierks Media / The Sierks / © Fotos: Wikimedia Commons – The World’s Work, Gertrude Kasebier, Public Domain (1) & Bibliothèque nationale de France, département Estampes et photographie, EI-13 (811), Public Domain

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