Oschersleben, 2010. Jan-Christopher Sierks ist eigentlich aus einem anderen Grund dort. Ein Autotest auf der Rennstrecke als Journalist ist der Auftrag, sein Notizbuch hat er dabei und alles ist ganz professionell.
Doch dann: Pylonen auf dem Asphalt, eine Stoppuhr und das typische Kreischen von Reifen auf einem Slalom-Rundkurs. Und eine Frage, die den Tag für immer verändern sollte.
„Wollen Sie mal fahren?“ Sierks schaut auf das Auto. Ein VW Lupo GTI. Klein, silber und leicht. Mega.
Was keiner wusste
Was die Veranstalter in diesem Moment nicht ahnen konnten: Sie hatten gerade keinen zufälligen Zuschauer eingeladen. Sie fragten einen Mann, der zu diesem Zeitpunkt wöchentlich in Italien auf Maserati für eine Rennserie trainierte. Also nicht gelegentlich, sondern regelmäßig.
Das Handling von Hochleistungsfahrzeugen, das Gespür für Bremspunkte, Lenkimpulse und den Kurveneingang: alles längst in den Fingern sowie im Körper antrainiert und im Reflex gespeichert.
Und dann noch das: Ein GTI war für Jan-Christopher Sierks kein ungewöhnliches Fahrzeug. Er fuhr privat selbst immer Golf GTI. Das war ein Heimspiel hinter dem Lenkrad, quasi sein Auto. Nur eben kleiner und auf einem Kurs mit Pylonen.
Drei Versuche, eine Bestzeit
Erster Durchgang: Orientierung. Streckenverlauf lesen, das Fahrzeug kennenlernen und die Linie finden.
Zweiter Durchgang: Schärfer, schneller und näher ran. Dritter Durchgang: Alles sitzt.
Jede Kurve passt, jeder Scheitelpunkt stimmt und jede Beschleunigungszone wird sauber herausgearbeitet. Der Lupo GTI fliegt durch den Kurs, als wäre er für diesen Moment gebaut und Sierks am Lenkrad wie gemacht dafür. Stoppuhr und Bestzeit.
Video: Jan-Christopher Sierks im Lupo GTI
Pokal und Testnotizen
Die Organisatoren überreichten später im Fahrerlager den Pokal mit einem Blick, der irgendwo zwischen Verblüffung und Respekt lag. Wer war dieser Typ eigentlich? Der war doch nur zufällig vorbeigekommen.
Stimmt. Und stimmt auch wieder nicht. Denn Jan-Christopher Sierks fuhr an jenem Tag mit zwei Dingen auf dem Beifahrersitz nach Hause: seinen Testnotizen und einem Pokal.
Irgendjemand hatte an der Strecke sogar eine Kamera dabei. Es war kein Filmteam und auch kein Aufnahmeleiter.
Kein Zufall, sondern Motorsport
Und sowieso kein geplanter Dreh. Einfach jemand, der gefilmt hat und dessen Lachen auf der Aufnahme zu hören ist.
Es ist eine Hobbyaufnahme, komplett verwackelt und der Ton so, wie es war. Und trotzdem: Der Moment ist drauf. Jan-Christopher Sierks im Lupo GTI, auf dem Kurs in Oschersleben. Er ist bei einem Durchgang zu sehen, in dem er am Ende sogar noch zu früh bremst.
Was von außen nach Glück aussah, war in Wahrheit das Ergebnis von Disziplin, Leidenschaft und unzähligen Kilometern hinter dem Steuer von Rennwagen. Und der Slalom-Kurs in Oschersleben war einfach wie bestellt für die wirklich zufällige Begegnung…
© Foto: & Video: sierks.com
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