Die Thermometer zeigen jetzt im Winter moderate Minusgrade, doch draußen herrscht eisige Kälte – ein Phänomen, das vielen Menschen bekannt vorkommt.
Wie Experten erklären, warum die gefühlte Temperatur oft deutlich von den gemessenen Werten abweicht, das erfahren Sie hier.
Wind macht den Unterschied
Der Hauptgrund für die Diskrepanz zwischen tatsächlicher und gefühlter Temperatur liegt im Wind. Bei Windstille können minus zwei Grad durchaus erträglich sein. Weht jedoch ein kräftiger Wind, entzieht dieser der Haut deutlich schneller Wärme. Meteorologen sprechen dabei vom sogenannten Windchill-Effekt.
Dieser Effekt entsteht, weil der menschliche Körper eine dünne Luftschicht auf der Haut erwärmt. Wind bläst diese wärmende Schicht ständig weg und ersetzt sie durch kalte Luft. Je stärker der Wind, desto schneller der Wärmeverlust – und desto kälter fühlt es sich an.
Luftfeuchtigkeit verstärkt die Kälte
Neben dem Wind spielt auch die Luftfeuchtigkeit eine wichtige Rolle. Feuchte Luft leitet Wärme besser als trockene. Bei hoher Luftfeuchtigkeit gibt der Körper daher schneller Wärme ab. Besonders unangenehm wird es, wenn sich die Feuchtigkeit auf Kleidung oder Haut niederschlägt.
Dieser Effekt erklärt auch, warum dieselbe Temperatur im Frühjahr angenehmer wirkt als im Herbst oder Winter. Die unterschiedliche Luftfeuchtigkeit der Jahreszeiten beeinflusst das Kälteempfinden erheblich.

Warum sich minus zwei Grad anfühlen wie minus zehn
Faktoren beim Kälteempfinden
Mehrere andere Aspekte beeinflussen, wie kalt wir es tatsächlich empfinden:
◉ Sonneneinstrahlung: Direkte Sonne wärmt die Haut und kann die gefühlte Temperatur um mehrere Grad erhöhen.
◉ Bekleidung: Unzureichende oder durchnässte Kleidung verstärkt den Kälteeindruck massiv.
◉ Körperliche Aktivität: Bewegung erzeugt Wärme und verändert die Wahrnehmung.
◉ Individuelle Faktoren: Alter, Gesundheitszustand und Gewöhnung an Kälte spielen ebenfalls eine Rolle.
Was Meteorologen empfehlen
Wetterdienste geben mittlerweile häufig neben der Lufttemperatur auch die gefühlte Temperatur an. Diese berücksichtigt Wind und teilweise auch Luftfeuchtigkeit. Experten raten, sich bei der Kleidungswahl an der gefühlten Temperatur zu orientieren.
Besonders wichtig ist der Windschutz: Eine windabweisende Außenschicht kann die Kältebelastung deutlich reduzieren. Auch das Zwiebelprinzip mit mehreren Kleidungsschichten hat sich bewährt, da es isolierende Luftpolster schafft.
Keine wirkliche Einbildung
Die gefühlte Temperatur ist somit wirklich keine Einbildung, sondern ein reales physikalisches Phänomen.
Wer die Faktoren wie Wind und Feuchtigkeit berücksichtigt, kann sich besser auf winterliche Bedingungen einstellen und unangenehme Überraschungen vermeiden…
Sierks Media / © Fotos: Anita Austvika (1), Nils Söderman (1), Unsplash



